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Industrielle Traditionen

Līvāni hat eine besondere industrielle Geschichte. Industrie ist die Entwicklungsbasis von Līvāni für fast zwei Jahrhunderte gewesen. Die örtliche Wirtschaft bekam durch Eröffnung der Eisenbahnlinie Riga-Orel (1861) und die drastischen Reformen der 60er Jahre des 19 Jh. (z.B. durch Beschaffung des Leibeigentums) einen starken Stimulus für weitere Entwicklung. Das industrielle Wachstum war von der guten Verkehrsmöglichkeiten über Land und Wasser, der billigen Arbeitskräfte aus Vidzeme und Kurzeme sowie Anwesenheit von reichen Naturressourcen bedingt. Für Produktionszwecke konnte man Holzmaterial aus Wäldern der Nachbarschaft von Līvāni sowie auch zusätzlich über die Dubna und die Daugava liefern. Reiche Reserven von Lehm, Dolomit, Sand und Rohtorf waren auch zugänglich, die für Produktion von Glas, Baumaterialien und Torf entscheidend waren. Bis Anfang der 20er Jahre des 20.Jh. wurden in Līvāni 10 neue Fabriken gebaut. Als die größten davon galten: das Zellulosewerk (gegründet 1872), Glasfabrik (1887), Holzverarbeitungswerk und Produktionsanlagen für Linoleum, Ziegel und Textilien. In der Ortschaft Meņķi, am linken Ufer von Daugava gegenüber Līvāni, errichtete eine französische Firma ihre Hornfabrik, die verschiedene Knöpfe für Korsetten, Mützen und Telefonapparate produzierte und das einzige Unternehmen solcher Art in ganz Europa war.

 

Während des 1.Weltkrieges wurden die lokalen Fabriken geschlossen; ihre Maschinen wurden nach Russland evakuiert. Für zweieinhalb Jahre blieb Līvāni in der Frontlinienzone. Wegen des regulären Kanonenschusses wurden etwa 155 Häuser zerstört. Nach dem Kriege waren in Līvāni nur 1.880 Einwohner geblieben.

Heute trägt die Glasfabrik den Namen “Lettglas”. Dieses Unternehmen ist immer noch bekannt für seine einzigartigen Glasprodukte, die von hoch-qualifizierten Glasbläsern gemacht werden. Die jahrhundertelangen Erfahrungn dieser Industrie sind jetzt zusammengefasst und in dem örtlichen Glasmuseum ausgestellt, wo etwa 5.000 Exponate die Entwicklung von den ersten Produkte bis zu den heutigen modernen Technologien darstellen.

 

Die Geschäftstätigkeit in Līvāni wurde durch den 2.Weltkrieg zum Stehen gebracht; eine Hälfte der Stadt lag unter Trümmern. Die folgenden Jahrzehnte der sowjetischen Okupation wirkten ähnlich negativ auf die Stadt: ältere Häuser und die schöne Landschaft an der Daugava und an der Dubna wurden allmählich ruiniert. In den 70er Jahre des 20.Jh. wurden neue fünfstockige Standarthäuser im südlichen teil der Stadt gebaut, wo kurz davor einige ältere Wohnhäuser zerstört wurden. Zu derselben Zeit wurden in Līvāni große Produktionsanlagen errichtet. In den 70er und 80er Jahren des 20.Jh. kam es zu einem neuen Biochemiewerk, Produktionsanlagen für Baumaterialien und einer neuen Baugesellschaft. Die letzte spezialisierte sich in Herstellung der damals populären “Līvāni Häuser“. Der älteste herstellende Betrieb der Stadt- die Glasfabrik - wurde erweitert. Līvāni wurde das drittgrö?te Industriezentrum in Latgale (nach der zwei größten Kreisstädten Daugavpils und Rēzekne).

 

Die Wirtschaftstransformation von Lettland nach der Wiederherstellung der Unabhängigkeit war sehr ung?nstig für Līvāni. Es gab Konsequenzen, die schwerer waren als in anderen Kleinstädten von Lettland. Die Hauptursache dieser Situation war der extrem hohe Anteil der Industrieanlagen, Maschinen und Arbeitskräfte, die in der neuen Marktwirtschft außer Gebrauch waren. Am Anfang der 90er Jahre des 20.Jh. wurde Līvāni als “Hauptstadt der Arbeitslosen“ genannt. Trotz dieser Probleme ist Līvāni wieder vorwärts gegangen. Wegen der zahlreichen Läden und Kneipen sieht die größte Stadt des Kreises Preiļi fast wie in den erfolgreichen 30er Jahre des 20 Jh. aus. Das kann man besonders auf der 4,12 km langen Rigaer Straße (Rīgas iela) spüren, die die ganze Stadt durchquert. Es ist Līvāni immer gelungen, aktuelle Probleme zu überwinden. Dafür ist zuerst die Produktion von Glas, Torf und Baumaterialien zu bedanken. Heute ist Līvāni stolz auf ihre Glasfaserleitungfabrik, die die einzige Glasfaserleitungfabrik in den Baltischen Staaten ist.






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